99.6 % der Urinproben mit Glyphosat belastet – Ergebnisse der Aktion „Urinale“

Am 4. März 2016 wurden in der Heinrich Böll Stiftung in Berlin die Ergebnisse der »Urinale 2015« vorgestellt. Von 2009 auswertbaren  Urinproben sind 99,6 Prozent mit Glyphosat belastet gewesen.

Glyphosat ist ein sogenanntes Breitbandherbizid gegen ein- und zweikeimblättrige Pflanzen – ein Gift, das prinzipiell zum Tod aller Pflanzen führt, die mit ihm in Kontakt kommen. Nur gentechnisch veränderte Pflanzen sowie auf natürlichem Weg resistent gewordene Gewächse widerstehen der Chemikalie. Glyphosat ist das weltweit am meisten verkaufte Ackergift. Der größte Produzent ist Monsanto mit seinen »Roundup«-Produkten.

WHO: Glyphosat ist krebserregend

Die Krebsforschungseinrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO die IARC  hat kürzlich Glyphosat als »wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen« eingestuft. Studien aus Schweden, den USA und Kanada an kranken Landwirten, die mit Glyphosat gearbeitet hatten, stärken demnach den Verdacht, dass Glyphosat für Krebserkrankungen des Lymphsystems verantwortlich sein könnte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zweifelt diese Bewertung an und stützt sich dabei zu großen Teilen auf Studien der Industrie. Das BfR arbeitet dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu, das beim europäischen Zulassungsverfahren für Glyphosat federführend ist.

Glyphosat hat in unserem Essen nichts zu suchen!

Erste Untersuchungen von Urinproben deuten darauf hin, dass auch in der Bundesrepublik Deutschland nicht nur Landwirte Glyphosat in ihrem Körper haben, sondern auch Menschen, die nicht in der Landwirtschaft arbeiten. Die Rückstände von Glyphosat und seinen Nebenprodukten scheinen daher mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Nahrungsaufnahme verursacht worden zu sein. Wir wollen mit Ihrer Hilfe eine ausreichend große Datenbasis schaffen, um das Gesundheitsrisiko erstmals sicher beziffern und die Forderung nach einem Verbot von Glyphosat wissenschaftlich einwandfrei begründen zu können. Das BfR und der zuständige Bundesminister sehen aufgrund der bisherigen Datenlage keinen Anlass zu einem Verbot von Glyphosat. Daher haben wir dazu aufgerufen, Urin auf Glyphosat-Rückstände untersuchen zu lassen.

Die »Urinale 2015«

Ab Mitte September 2015 lud die Kampagne »Ackergifte? Nein danke!« mit Hilfe einer Vielzahl einzelner lokaler Partner ein zur großen Urinale! Bundesweit gab es kleinere und größere Veranstaltungen, bei denen sich interessierte Menschen zum Thema Glyphosat und Ackergifte informieren und austauschen konnten. Dabei wurden Urinprobensets ausgeteilt, die einfach zu Hause befüllt und anschließend an das mit uns kooperierende Labor eingeschickt wurden. So konnten die persönlichen Glyphosatwerte aus dem eigenen Urin erfahren werden. Darüber hinaus ermöglichten die Teilnehmer*Innen damit die Datenerhebung – Voraussetzung für eine wichtige wissenschaftliche Studie in der Debatte um die Zulassung von Glyphosat.

Die vollständige Studie ist als Download unter www.urinale.org verfügbar.

Den Link zur Heinrich Böll Stiftung finden Sie hier: https://www.boell.de/de/2016/03/04/glyphosat-untersuchung-75-prozent-der-deutschen-deutlich-belastet